Sysmex Suisse
Menu

Happy B-Day Hitado

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2023

Seit 50 Jahren bleibt bei Hitado alles anders. Über Stolper- und Meilensteine aus der Firmenhistorie, wie es zum Zusammenschluss mit der Firma Sysmex gekommen ist und wohin die Reise geht – direkte Einblicke und Wortmeldungen

Text Verena Fischer

Nichts als weite Wiesen unter dem Horizont?

Im Hitado-Showroom können Kundinnen und Kunden die Gerätesysteme live erleben. Mitarbeitende MTAs führen die Anwendungen vor Ort vor. Hier ist nur ein Ausschnitt und nicht die gesamte Produktpalette zu sehen Der Schein trügt. In der nordrhein-westfälischen Gemeinde Möhnesee verbirgt sich, gut getarnt in einem urigen Bauernhaus, das Epizentrum der Point-of-Care-Technologie. Was einst ein Stall war, ist heute ein Lager, in dem bis zu 450 Pakete täglich verpackt und verschickt werden: an Arztpraxen, Kliniken, Apotheken, Sportvereine, Kreuzfahrtschiffe oder gar die deutsche Fußballnationalmannschaft in Katar. Vor Ort merkt man dem Sysmex Tochterunternehmen seinen weltweiten Erfolg kaum an. Vielmehr ist der Start-up Spirit in jedem Quadratmeter und in allen Beteiligten lebendig geblieben. Nicht wenige sind schon seit vielen Jahrzehnten an Bord – denn es bleibt spannend, in Bewegung und ein dauerhafter kreativer Prozess, darin sind sich alle einig.

Das Leben kommt von vorn

Wie André Michel vor 16 Jahren Geschäftsführer von Hitado wurde? Das ist eine Geschichte, die den Charakter des Unternehmens wie kaum eine andere widerspiegelt. Eigentlich wollte der damals 25-Jährige nur ein Auto kaufen, als er von Münster zum Möhnesee reiste. Erst am Vortag hatte er sein BWL-Studium mit Schwerpunkt Krankenhausmanagement abgeschlossen und war nach einer ausgiebigen Feier im Grunde viel zu müde. Doch das Angebot war überzeugend, und so landete Michel auf dem Fahrersitz des Golf IV von Patricia Grell, heute Leiterin der Personalabteilung von Hitado, damals Sekretärin des damaligen Geschäftsführers Jochen Willms. Eine Stippvisite in der Hitado-Niederlassung nach der Probefahrt nahm ein überraschendes Ende: Willms stellte Michel an Ort und Stelle für den Aufbau einer geplanten Zweigstelle in Endingen nahe Freiburg ein. „Ich war zufällig an dem Tag vor Ort, als die Bewerbungsgespräche für die Position liefen“, erinnert sich Michel, der eigentlich Controller im Krankenhaus werden wollte. „Damit, dass ich mit einer festen Anstellung nach Hause fahren würde, hätte ich natürlich im Leben nicht gerechnet.“ Ein Arbeitsvertrag? Damals Fehlanzeige. Bei Willms lief alles mit Handschlag, frei nach Bauchgefühl und auf Basis gegenseitigen Vertrauens. Heute ist André Michel Geschäftsführer von Hitado und leitet ein Team von fast 100 Angestellten. „Als ich hier anfing, waren wir noch 35 Leute“, erzählt er und erinnert sich: „Es gab auch noch Hühner im Garten, bis eines Tages der Fuchs vorbeikam …“ Natur pur eben. Und von dieser gibt es hier wirklich reichlich – im Sommer verwandelt sich die Gegend rund um den Möhnesee übrigens in ein gelbes Meer aus Rapsblüten. „Es ist so, dass ich hier in der Region großgeworden bin und eigentlich gar nicht vorhatte, zurückzuziehen“, berichtet er. Am Ende war der neue Golf aber ein Glücksgriff in jeder Hinsicht. Oder Schicksal? Jedenfalls traf Michel hier auch seine Freundin aus Schulzeiten wieder, mit der er heute verheiratet ist und zwei Kinder hat. „Den Golf habe ich später gewinnbringend verkauft“, lacht er.

Die Limits brechen weg

Als absoluten Meilenstein in der Firmengeschichte nennt Michel die Übernahme von Hitado durch Sysmex im Jahr 2010. Zur Feier des Tages reiste sogar der japanische Sysmex Präsident Hisashi Ietsugu nach Dreihausen und begrüßte die neuen Kolleginnen und Kollegen im Rahmen einer traditionellen Sake-Zeremonie. Von Sysmex hat Hitado seither vieles übernommen: „Vor allem feste Prozesse, die uns dabei helfen, im großen Team und als Teil eines globalen Konzerns beweglich und flexibel zu bleiben.“ Heute ist Hitado sozusagen die POCT-Marke von Sysmex. „Wir verstehen uns als Lösungsanbieter“, erklärt Michel. „Das heißt, wir beraten unsere Kunden, welche POCT-Systeme für ihre Bedürfnisse am besten geeignet sind. Wir unterstützen bei der Installation, führen Schulungen durch, sind bei Problemen und Fragen jederzeit erreichbar und immer auf der Suche nach innovativen Gerätesystemen auf der ganzen Welt.“ Das Ergebnis: Hitado hat heute knapp 5.000 aktive Gerätesysteme im Einsatz und beliefert etwa 9.000 Kundinnen und Kunden. Die meisten Systeme vertreibt und verkauft Hitado exklusiv. Michel erklärt: „Das ist wichtig für uns, denn wir machen im Vorfeld eben ganz viel Beratung und Service.“

Wie alles begann

50 Jahre ist es her, dass Kurt Sittler die Firma Ruhrtal Labortechnik (RLT) in Arnsberg mit drei Angestellten gründete. RLT war darauf spezialisiert, Labore in der Region mit Reagenzien zu beliefern. Zwar gab es seinerzeit noch sehr viele Labore im Umkreis, doch gleichzeitig war die Konkurrenz groß: Rund 360 Diagnostikahändler teilten sich den deutschen Markt. In der Folgezeit kam es durchsinkende Margen zu einer deutlichen Marktkonzentration, und viele Wettbewerber mussten ihr Geschäft aufgeben. Auch für RLT verschlechterte sich die Situation, bis 1984 Jochen Willms, der zuvor bei Merck gearbeitet hatte und Kontakte zu Herstellern mitbrachte, das Unternehmen mit allen Angestellten aufkaufte. Willms langjährige Arbeitskollegen Manfred Kohlwey und Rolf Rösgen sowie Michael Helleberg, der schon bei Sittler mit an Bord war, wurden Teil des Führungsteams. Gemeinsam wollten sie sich den Krankenhausbereich erschließen.

Dank fester Prozesse bleiben wir auch als Teil eines globalen Unternehmens flexibel und wendig

André Michel

Nach oben fallen

„Es war immer so, dass wenn es Probleme gab, sich das Führungsteam über Nacht zusammengesetzt und eine Idee entwickelt hat, die am nächsten Morgen umgesetzt wurde“, berichtet Kohlweys Frau Karin, die noch heute bei Hitado im Innendienst beschäftigt ist. Statt das Handtuch zu werfen, startete RLT mit dem Aufbau eigener Produktlinien, wie etwa Glukosesystemen. „Außerdem haben wir einen neuen Blasentumortest aus den USA ins Programm aufgenommen“, erinnert sich Kohlwey. „Wir haben sofort zum Telefonbuch gegriffen, Urologen abtelefoniert und dann die Tests in den Praxen vorgestellt. Das war ein Riesenerfolg, alle wollten den Test haben.“ Nach und nach etablierte sich RLT so bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Zudem baute RLT seinen Service aus und setzte verstärkt auf Dienstleistungen im Zusammenhang mit Installation und Instandhaltung von Geräten – mit Erfolg! Das Ruder ließ sich rumreißen, der Umsatz stieg wieder, neue Teammitglieder wurden eingestellt. „Wir haben immer versucht, irgendwo eine Lücke zu finden, um auf dem Markt Bestand zu haben“, schließt Kohlwey. „Am Ende waren wir eigentlich die Einzigen, die als Fachhändler überlebt haben. Die anderen sind gescheitert, weil sie sich nichts Neues einfallen lassen haben. Wir haben gesagt, wir müssen uns verändern.“

Stillstand ist der Tod

Als die Räumlichkeiten in Arnsberg aus allen Nähten platzten, brauchte es eine neue Heimat für RLT. Willms lebte damals mit seiner Familie in Dreihausen, direkt gegenüber von dem Bauernhof, der heute Firmensitz ist. Kurzum entschied er sich für das Naheliegendste und kaufte dem benachbarten Bauern dessen Hof ab. Wenig später zog RLT in den 80er-Jahren mit knapp 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am neuen Standort ein. Da der Name Ruhrtal Labortechnik nicht mehr passte, benannte Willms sein Unternehmen 2002 über Nacht einfach in Hitado (kurz für „Hightech aus Dortmund“) um. Das Bauernhaus in Dreihausen erzählt die Hitado-Geschichte auf seine ganz eigene Art. „In dieser Küche hier hat Jochen Willms früher jeden Tag für das gesamte Team gekocht“, berichtet Michel und scherzt: „Wenn neue Kollegen nach einer Weile gefragt wurden, wie es ihnen gefällt, hieß es oft: ‚Alles toll, aber ich habe fünf Kilo zugenommen …‘“

Ein Unternehmen, viele Persönlichkeiten

Ingolf Höcker kennt das Hitado-Lager wie seine Jackentasche. Der gelernte Konditor ist seit 1991 bei Hitado beschäftigt – anfangs auf Teilzeit. „Ich war Mädchen für alles“, erzählt Höcker, der Willms privat kannte. „Ich war um 13 Uhr in der Konditorei fertig und hab dann hier ausgeholfen, mich ums Haus gekümmert, Rasen gemäht oder Pakete ausgeliefert.“ Weil es sehr viel zu tun gab, entwickelte sich daraus bald eine Vollzeitstelle. „Mit Willms zusammen habe ich auch den Umbau gemacht, also die Holzverkleidung in der ehemaligen Scheune angebaut. Es gab eine Schreinerei auf dem Gelände und Berufsmaurer, die mitgeholfen haben.“ Der Sauerländer fasst zusammen: „Ich liebe die Abwechslung hier. In den letzten 30 Jahren habe ich in jedem Bereich gearbeitet, vom Lager über den Außendienst, im Versand und in der Technik.“ Auch das selbstständige Arbeiten bedeutet ihm viel: „Ich weiß, was ich machen muss, strukturiere meine Arbeit selbst und es quatscht mir keiner rein.“ Sein eigener Chef zu sein, ist etwas, was auch dem Techniker Michael Köllner besonders gefällt: „Ich teile mir meine Arbeit ein und organisiere mich selbstständig“, berichtet der sympathische Dresdner, der ursprünglich bei der Firma PGW im Bereich von Glukosemesssystemen gearbeitet hat. „Willms hat damals Verbesserungen für die Messgeräte vorgeschlagen, die dann auch so umgesetzt wurden, und dann habe ich mich über Nacht entschieden, bei der Westfirma anzufangen“, erzählt er. Heute reparieren Köllner und sein Team sämtliche Hitado-Systeme im Dachgeschoss des Anbaus. „Anfangs hatten wir circa 100 Systeme, das Büro von Human-Ressources-Leiterin Patricia Grell befindet sich direkt unterhalb des Dachgeschosses. Auf die Frage, was ihr besonders an ihrem Job gefällt, antwortet die humorvolle Frau: „Es ist so, morgens habe ich immer einen genauen Plan, was ich machen möchte und dann kommt alles ganz anders. Das finde ich total spannend!“ Grell arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen, hat hier auch ihre Ausbildung gemacht und anschließend erst in der Buchhaltung, dann im Sekretariat und im Marketing gearbeitet, bevor es für sie in die Personalabteilung ging. „Jetzt fühle ich mich angekommen“, sagt sie. „Die Arbeit mit Menschen liegt mir einfach.“ Freude bei der Arbeit war aber in allen Abteilungen gegeben: „Anfangs hatten wir hier noch Schreibmaschinen, und in der Marketingabteilung haben wir mit Schere und Klebestift Broschüren entworfen“, erinnert sie sich gern. Am meisten schätzt sie den familiären und respektvollen Umgang im Unternehmen, der für sie auch jetzt, mit fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, erhalten geblieben ist. Birgit Wisanetz ist von allen Mitarbeitenden am längsten im Unternehmen tätig, nämlich seit 1979. Am meisten schätzt die 62-Jährige, dass sie sehr selbstständig arbeiten kann. „Ich bin es nicht gewohnt, dass mir jemand sagt, was ich machen soll. Ich teile mir alles selbst ein“, erklärt die gelernte Arzthelferin, die heute in der Auftragsannahme tätig ist. In den letzten 44 Jahren hat Wisanetz alle Entwicklungen miterlebt: Von anfangs fünf Mitarbeitenden bis zu dem großen Team heute. „Einige Kunden kenne ich schon seit Jahrzehnten“, berichtet die gelassene Sauerländerin.

Das Große Gefühl fordern

Karin Kohlwey ist seit 1988 im Unternehmen tätig. Die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin entdeckte damals zufällig eine Stellenanzeige von RLT und führte wenig später bereits erste Kundentelefonate. „Ich liebe es einfach, dass es immer etwas Neues gibt“, erzählt Kohlwey. Sie betont: „Wir hatten bis heute immer eine Geschäftsführung, die in der Lage ist, sich zu bewegen. Stillstand gibt es hier einfach nicht.“ Kohlwey fährt fort: „Ich konnte mich immer mit dem Unternehmen identifizieren. Und darauf kann jeder der Geschäftsführer stolz sein, dass er Mitarbeiter hat, die nicht nur aufstehen, um Geld zu verdienen, sondern weil sie Lust haben. Das ist eigentlich das Schönste, was einem ein Unternehmen geben kann.“

Summary

  • Das Sysmex Tochterunternehmen Hitado wird 50
  • Wie alles begann, was seither geschah und wodurch sich das Unternehmen auszeichnet

 

Fotos Lisa Notzke

Copyright © Sysmex Europe SE. All rights reserved.