Blickdiagnose genügt nicht

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2018

Nicht jede Hautkrankheit ist mit einer optischen Diagnosestellung aufzuspüren. Immer mehr Dermatologen setzen für präzise Analysen der Hintergründe sowie zur Therapiebegleitung auf ein eigenes Präsenzlabor

Dr. Sabine Bruckert - Hautärztin
Leitet neben ihrer Tätigkeit als
Oberärztin im UniversitatsSpital Zürich
die Dermis Hautklinik in Bülach, Schweiz

Als größtes Sinnesorgan des menschlichen Körpers hat die Haut entsprechend viele Bezuge zur inneren Medizin, stellte Dr. Sabine Bruckert schon im Studium fest. Die Dermatologin leitet die Dermis Hautklinik in Bülach, Schweiz, und ist fasziniert von der detektivischen Spurarbeit, die bei manchen Hautproblemen und -krankheiten gefragt ist. Im Interview berichtet sie über die ganzheitliche Herangehensweise in der Anamnese und den Nutzen eines eigenen Labors. Krankheiten der Haut sind mit dem Auge sofort erfassbar.

In welchen Fällen aber reicht der erfahrene Blick nicht aus, sodass Labormedizin zum Einsatz kommt?

Dr Sabine Bruckert: In vielen Situationen reicht eine reine Blickdiagnose einfach nicht, um ein verlässliches Gesamtbild zu erhärten. Nicht selten stellt man in der Praxis bei Diagnostik und Behandlung von Hautkrankheiten neben körperlichen Symptomen auch solche mit einem ganz anderen Hintergrund fest. In diesen Fällen erfordert eine adäquate Behandlung intensive Detektivarbeit. Wir benötigen Laborergebnisse auch für die Begleitung medikamentöser Therapien. Da wir wissen, bei welchen Medikamenten Wirkstoffe über die Leber abgebaut werden oder welche Arzneimittel eine nierenschädigende Wirkung entfalten können, überwachen wir die entsprechenden Laborparameter engmaschig – vor allem bei Patienten, die längerfristig unter Medikamenteneinnahmen stehen.

Sie übernehmen hier also auch internistische Aufgaben?

Durchaus, das bringt die Dermatologie – ganzheitlich betrieben – mit sich. Da wir über ein komplettes Präsenzlabor verfügen, können wir die Messung dieser Werte bei der Kontrolle anbieten. So kann die Dosis sofort angepasst oder gegebenenfalls auf ein anderes Medikament umgestiegen werden. In-vitrodiagnostische Untersuchungen wie Transaminasen und Lipidbestimmungen, Kreatinin-Clearance und ein kleines Blutbild werden bei uns täglich patientennah durchgeführt. Natürlich denkt man beim Stichwort Praxislabor zuerst an Hausarztmedizin. Aber Systemtherapien mit Medikamenten wie Methotrexat, Ciclosporin, die Anwendung von modernen Biologika beispielsweise für die Behandlung von Psoriasis erfordern auch im Fachbereich Dermatologie eine regelmäßige Blutkontrolle.

Bemerken Sie in Ihrer Arbeit, dass sich die Beziehung zwischen Patienten und Fachärzten geändert hat?

Das Arzt-Patienten-Verhältnis hat sich in allen Bereichen der Medizin drastisch modernisiert. Die Patienten verfügen heute über deutlich mehr Informationsquellen als früher. Es gibt weniger gesellschaftliche Tabuthemen, und Gespräche im Alltag finden dazu häufiger statt. Allerdings fuhrt die größere Menge an Information und Interaktion nicht zwingend zu einem besseren Wissen und Verständnis. Trotzdem ist der Patient heute in der Summe aufgeklärter und kritischer gegenüber medizinischen Interventionen als vor ein paar Jahren.

Oft ist im Zusammenhang mit Hautproblemen von einer Zunahme an Allergien die Rede. Können Sie das bestätigen?

Richtet man den Blick auf die Anzahl der Patienten, die explizit wegen eines Allergieverdachts zu uns kommen, entsteht tatsachlich der Eindruck, Allergien nahmen zu. Allerdings muss man hier unterscheiden zwischen Patienten, die eine Prädisposition zur Entwicklung einer Allergie aufweisen, und anderen, die eine Intoleranz oder eine normale Überreaktion des Körpers gegen eine Substanz zeigen. Nicht jede Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine Allergie – und die Selbsteinschätzung der Patienten deckt sich nicht immer mit den medizinischen Fakten. Ich denke, die Erwartung, das Leben symptomfrei und unbelastet gestalten zu können, ist gestiegen, was auch mit der grundsätzlichen Aufgeklärtheit und dem gestiegenen Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Gesundheit einhergeht.

 

Text Stephan Wilk

Fotoquelle: Privat (S. Bruckert), iStock

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